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Abschlussbeitrag

Landwirt meets EDEKA Allgemein

Liebe LeserInnen im EDEKA-Blog,

4 Monate EDEKA-Wettbewerb, es ist Abschlusszeit: 31.03.2016. Wir haben als „Ökowein-Team“ unsere Recherchephase beendet und wollen euch gerne unsere Ergebnisse „in Summe“ präsentieren. Wir hoffen, ihr habt beim Lesen dabei genauso so viel Freude wie wir es bei den Recherchen hatten!

Über etwa 16 Wochen haben wir uns intensiv für den EDEKA-Blog mit dem Thema „Ökologischer Weinbau und regionale Vermarktung“ auseinandergesetzt. Ganz zu Beginn hat uns Frank Kilian, der Bürgermeister hier in unserer Stadt Geisenheim in einem persönlichen Gespräch darüber ins Bild gesetzt, was den Rheingau als Weinregion so besonders und beliebt macht. Als interessante Anekdote hat er uns vorgestellt, dass die „Spätlese“ hier in Johannisberg im Rheingau erfunden wurde. Erinnert ihr euch noch an den Comic von „Karl, dem Spätlesereiter“? Bürgermeister Kilian hat uns auch verschiedene Möglichkeiten der Vermarktung genannt, wie beispielsweise Weinfeste, die auch von der Stadt Geisenheim gefördert werden, und erklärt, wie das Konzept des „geselligen Trinkens mit Weinen und Menschen aus der Region“ funktioniert.

Unser allererster "Einsatz" bei Bürgermeister Frank Kilian

Unser allererster “Einsatz” bei Bürgermeister Frank Kilian

Auch Jasmin Bähr, Bachelor-Studentin von der European Business School (ebs) gleich hier um die Ecke in Oestrich-Winkel, hat uns über interessante Vermarktungskonzepte aus ihrer Bachelorarbeit aufgeklärt. Im Schwerpunkt ging es um das „Regionenmarketing“, also die Vermarktung einer ganzen Region wie z.B. der Rheingau, und wie eine Region ihre Produkte den Kunden näher bringen kann. Erinnert ihr euch noch an das super Konzept der „WineBANK“, wo man seine „eigenen“ für teuer Geld gekauften Weine in einer „Weinbank“ lagern, und in gehobenem Ambiente dann genießen kann?

Das Team mit Jasmin Bähr von der ebs

Das Team mit Jasmin Bähr von der ebs

So haben wir uns nach den ersten Recherchen sozusagen die Leitfrage gestellt, ob der allgemeine „Öko-Hype“ auch auf die Weinbranche Einfluss genommen hat? Handelt es sich um einen Megatrend oder einen Irrweg?

In Folge haben mit vielen interessanten Menschen gesprochen und haufenweise neue Eindrücke und Erkenntnisse gesammelt. Anfangs waren wir durch unsere Termine mit dem sympathischen Herrn Jonny Grisse von unserem lokalen EDEKA-Markt in Geisenheim, und dem Winzermeister Herrn Paul Will sehr zuversichtlich. Nach Ihrer Meinung zeigte sich ein Trend, dass ökologische Produkte immer mehr nachgefragt und an allgemeiner Beliebtheit gewinnen. Das ist auch der Grund dafür, dass Herr Grisse ökologisch erzeugte Produkte in seinem EDEKA-Markt besonders fördert und unterstützt. Eine gute Idee und ein tolles, regionales Geschäftsmodell, wie wir finden!

Johnny Grisse

Auch Winzermeister Paul Wills Arbeitgeber, die Sektkellerei Schloss Vaux in Eltville, hat aufgrund des aufstrebenden Bio-Markts ein ökologisches Produkt auf den Markt gebracht, das laut eigenen Angaben auch regelmäßig ausverkauft sei. Die Betriebserkundung bei Herrn Will war echt spannend, ihr habt sicher den Blog dazu gelesen? Wir haben in der Sektkellerei in Eltville sehr viel über Wein- und Sektherstellung und Abfüllung gesehen und gelernt!

Das ganze Team versammelt beim Termin mit Herrn Grisse (1. v. r.) und Herrn Will (2. v. l.)

Das ganze Team versammelt beim Termin mit Herrn Grisse (1. v. r.) und Herrn Will (2. v. l.)

Im Gespräch mit Sandra Kühn vom renommierten Weingut Peter Jakob Kühn in Oestrich-Winkel (Ihr erinnert euch sicher: „Der Gault Millaut – Winzer des Jahres 2016“) wurde unsere anfängliche Euphorie jedoch gedämpft. Sandra Kühn berichtete uns im persönlichen Gespräch, dass ökologischer Wein kein Garant für ein lukratives Geschäft ist, da das Bewusstsein der Konsumenten um die Wichtigkeit von biologischem Wein noch zu wenig entwickelt sei. Außerdem hat sie uns erklärt, was einen ökologischen Wein wirklich ausmacht. Im Grunde ist es der Verzicht auf alle chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und Dünger. Ihrer Meinung nach kann man ein erfolgreiches Ökowein-Geschäft nur führen, wenn man aus Überzeugung handelt, denn nur durch klar ökologische Produktionsweise könne man qualitativ hochwertigen Ökowein herstellen.

Hannah und Julia im Gespräch mit Sandra Kühn

Hannah und Julia zu Besuch bei Weingut Kühn

Auch Herr Dr. Gergely Szolnoki von der Wein-Hochschule Geisenheim steht dem Öko-Trend in der Weinbranche kritisch gegenüber. Einerseits gebe es zwar immer mehr ökologisch bewirtschaftete Rebflächen, andererseits stagniere laut seiner Studie die Zahl der Weinkonsumenten seit 10 Jahren bei 3 – 4%. Das liege vor allem daran, dass viele Kunden den positiven gesundheitlichen Aspekt, der sie dazu bewegt, ökologisches Obst und Gemüse sowie Fleisch zu kaufen, bei Wein aufgrund des Alkoholgehalts nicht sehen. Ein weiteres Problem: Die Kunden würden von einem Biowein erwarten, dass er ausschließlich aus natürlichen Zutaten besteht. Allerdings seien auch bei ökologisch erzeugtem Wein künstlich hergestellte Schönungsmittel wie bestimmte Hefen zugelassen.

Hochschule Gheim Dr Szolnoki Interview1 25 02 2016

Amelie und Julia im Gespräch mit Dr. Gergely Szolnoki

Im Gespräch mit Claudia Jung vom Regierungspräsidium Darmstadt, Weinbauamt Eltville, erfuhren wir, dass das Land Hessen sich mit Fördergeldern und Förderprogrammen und Seminaren massiv für die Ökoweinbauern einsetzt. Aber es ist nach wie vor sehr schwierig, ökologischen Wein gewinnbringend zu produzieren. Denn trotz dem Mehrwert für Umwelt und Gesundheit, den ökologischer Wein mit sich bringt, seien die Konsumenten nicht dazu bereit, einen angemessenen Betrag für das Produkt zu bezahlen.

FAZIT: Zwar werden ökologisch erzeugte Produkte im Allgemeinen (vor allem Obst & Gemüse, Fleisch und Milchprodukte) zurzeit verstärkt nachgefragt, was auch Einfluss auf das Sortiment von EDEKA hat, allerdings gilt das nicht so stark für ökologischen Wein. Als Ökowinzer muss man mit Herzblut und Überzeugung bei der Sache sein, um erfolgreich ökologischen Wein produzieren zu können. Reich wird man mit diesem Geschäft offensichtlich nicht, denn die Konsumenten sind meist nicht bereit, für ökologisch erzeugten Wein signifikant mehr auszugeben.

Es handelt sich also bei Öko-Wein insofern um einen Megatrend, als dass er die allgemeine Nachfrage nach umweltschonend erzeugten Lebensmitteln bedient. Betrachtet man das Geschäft allerdings aus rein wirtschaftlicher Sicht, so wird sich eine Umstellung von konventionell auf ökologisch für einen Winzer, der eher auf Gewinnmaximierung aus ist, wohl als Irrweg entpuppen.

Abschließend hoffen wir, dass ihr mit unserem EDEKA-Blog Aufschluss über den ökologischen Weinbau und sein Potenzial auf dem deutschen Weinmarkt, speziell bei EDEKA gewinnen konntet. Und natürlich wünschen wir, dass euch das Lesen und Miterleben unseres Blogs Spaß gemacht hat!

Ein letztes Mal senden wir euch liebe Grüße aus der Weinregion Rheingau :)

Eure Öko-Queens, Amelie, Hannah und Julia